Gehörst Du zu den Leuten, denen es so richtig gut geht, wenn es ordentlich was zu tun gibt? Wenn was voran geht. Wenn sich was bewegt. Da passiert Neues. Es ist spannend. Das gibt Schwung. Solchen Kandidaten wird es ganz, ganz lange nicht zu viel. Wenn manche Zeitgenoss*innen in der gleichen Situation längst die Segel gestrichen hätten, kommen die allmählich auf Betriebstemperatur. Wenn Andere bei einem Bruchteil der gleichen Aufgabenfülle schon überfordert sind, haben die das Gefühl „Jetzt gehts doch erst los.“

Wer das kennt, denkt „Jaaaa, genau! Jipeeee.“ Wer das nicht kennt, denkt „Oh, wie stressig. Geh mir vom Acker.“ Natürlich haben Beide recht. Wenn jeder einfach machen würde, was ihm taugt und wenn sich alle gegenseitig in ihren Bedürfnissen respektieren würden, wäre viel gewonnen.
Wechselseitige Ratschläge sind bestimmt gut gemeint und man sollte schon auch hinhören. Aber wenn ein eher gemütlicher Mensch dem Aktiven rät, „doch endlich mal Ruhe zu geben“, wird ihn das kaum erreichen. Und umgekehrt hilft es nichts, den, der schwer in Bewegung kommt, anzutreiben, doch endlich mal so richtig loszulegen.

Wäre das also geklärt: jeder lässt jeden machen, wie er meint. Aber wie so vieles, ist auch das oft nicht so eindeutig einfach. Kann sein, dass ein Mensch mit einem anderen Temperament wahrnimmt, was bei Dir schief läuft, während Du selbst im eigenen Film festhängst. Ich bin vor etlichen Jahren in einen handfesten Burnout gerauscht mit weitreichenden Folgen für mein Leben. Hätte ich die guten Ratschläge mancher Mitmenschen beherzigt, wäre es nicht so weit gekommen. Aber ich konnte das nicht, das Beherzigen. Ich habe es gehört. Ich habe es geglaubt. Aber ich wußte nicht, wie das geht: Weniger machen. Gut für mich sorgen. Auf meine innere Stimme hören.
Heute weiß ich das. Und ich weiß, wie alles zusammenhängt. Aber das war ein langer, leidvoller Weg. Und deswegen weiß ich, dass es einfach nicht hilft, an jemanden hinzureden, der aus dem Karussell nicht aussteigen kann. Und warum geht das mit dem Aussteigen nicht? Weil es gute Gründe gibt, drin zu bleiben. Und warum kann sich jemand, der blockiert ist, nicht einfach auf den Weg machen? Weil etwas, das diese Person dringend braucht, sie zurückhält. Eine Freundin, die selbst schwer in die Gänge kommt, hat mich immer wieder gefragt, wie sie es schaffen kann, auch so aktiv zu sein. Und ich habe sie für ihre tiefenentspannte Art bewundert. Sie kann sich einfach still hinsetzen und lange nichts anderes tun als Kaffee trinken. Wie macht die das?

Jeder Mensch tut das, was er will. Man denkt ja gerne, man kann nicht anders, man muss ja, die Anderen, die Sachzwänge… ich kenne das auswendig. Und wenn mir jemand in meiner großen Not gesagt hätte, ich solle „es einfach anders“ machen, ich hätte müde gelächelt oder argumentiert, warum das Schwachsinn ist.

Also, was kannst Du tun, um etwas zu ändern?

  • “Sei gut zu Dir”, heißt erst einmal: Hör auf, Dich dafür schlecht zu fühlen, wie Du bist.
  • Wenn Du etwas nicht ändern kannst, hast Du dafür einen guten Grund.
    Warum ist es ein guter Grund? Weil er in Deinem Leben dafür gesorgt hat, dass Du bestimmte Situationen meisterst.
  • Kämpfe nicht GEGEN etwas. Das funktioniert nicht.
    Komme Deinen Beweggründen auf die Schliche und bringe etwas Neues in Dein Leben, das das Festhalten am Alten allmählich beendet.
  • Hör nicht auf die Anderen, hör erst einmal auf Dich selbst.
    Natürlich kann ein Rat, ein gutes Gespräch hilfreich sein. Es kann aber auch – ganz egal, wie gut und liebevoll es gemeint ist – ablenken von dem, was DU selbst wirklich willst.
  • Geh in die Stille. Zieh Dich zurück. Hör Dir selbst zu.
    Aber bleib liebevoll. Hab Geduld mit Dir. Unsere Gedanken sind oft überlagert von den Meinungen Anderer. Manchmal muss man schrittweise wieder lernen, die eigene Stimme herauszuhören.